Stroh als Energieträger

Stroh ist ein Nebenprodukt, das beim Anbau von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, hauptsächlich Getreide, anfällt.
Stroh von Raps und anderen Samenpflanzen macht ebenfalls einen Teil der Gesamtproduktion aus. Die Wahl der Anbaupflanzen in der Landwirtschaft - und damit der Umfang der Strohproduktion - hängt in erster Linie von fachlichen, anbautechnischen und wirtschaftlichen Faktoren ab, die die Disponierung der gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche beeinflussen.



Einfluß auf die jährliche Strohproduktion haben die von der Agrarpolitik der EU festgelegten Rahmenbedingungen, z.B. Getreidepreisentwicklung und Brachlegung.
Die Strohqualität und die Menge, die geborgen werden kann, hängen außerdem von den Witterungsbedingungen während der Wachstumsperiode und der
Bergung ab.
1996 betrug die Getreideanbaufläche in Dänemark 1,55 Mill. Hektar (25). Der Getreideertrag lag bei 9,17 Mill. Tonnen
Kerne, die Strohmenge machte 6 Mill. Tonnen aus. Die Strohproduktion in einem Jahr mit einer Durchschnittsernte wird auf 6,3 Mill. Tonnen veranschlagt,
kann aber durch die klimatischen Bedingungen in der Wachstums- und Bergungsperiode um bis zu 30% schwanken.

Der Markt für Stroh

Der Handel mit Stroh für Energiezwecke zwischen Produzenten und dem Energiesektor ist normalerweise durch mehrjährige
Lieferverträge geregelt, die der einzelne Strohproduzent oder eine Gruppe von Strohproduzenten mit einem Abnehmer abschließen.

Abnehmer sind strohbefeuerte Fernwärmewerke und Heizkraftwerke, die durch den Abschluß längerfristiger Lieferverträge sicherstellen, daß sie ihrer
Versorgungspflicht gegenüber den Wärmekunden nachkommen können. Allerdings ist nicht der gesamte Handel mit Stroh vertraglich geregelt. Durch den
Ankauf von Stroh auf dem Spotmarkt, z.B. bei Maschinengenossenschaften und anderen Zwischenhändlern, können die Werke häufig einen Preisvorteil für
einen Teil ihres jährlichen Strohverbrauchs erzielen.

Ein Strohvertrag kann u.a. folgendes regeln:
• Laufzeit und Kündigungsfrist
• Vereinbarte Strohmenge, hierunter Verfahrensregeln bei geringerem/größerem Strohverbrauch, ausbleibenden Lieferungen wegen geringerer Ernteerträge
u.a.
• Lieferbedingungen, hierunter Ballentyp, Maße und Gewicht der Ballen, Feuchtegehalt und andere Qualitätskriterien
• Grundpreis und Preisregulierung je nach Feuchtegehalt und Liefertermin
• Bestimmungen über die Regulierung des Grundpreises
• Schiedsklauseln


Verwendung des Strohs


Von der gesamten Strohproduktion wird nur ein kleinerer Teil für Energiezwecke genutzt. Ein Großteil bleibt im landwirtschaftlichen Produktionskreislauf, z.B.
als Streu in Ställen und Futter. Eine erhebliche Menge Stroh wird außerdem für Heizzwecke, Getreidetrocknung u.a. in der Landwirtschaft verwendet. Darüber
hinaus wird eine vertraglich festgelegte Menge Stroh zur Energieerzeugung an Fernwärmewerke und Kraftwerke abgesetzt.

Das jetzt noch übrige Stroh wird in den meisten Fällen gehäckselt, untergepflügt und dient dadurch der Bodenverbesserung. Es besteht also ein gewisser
Strohüberschuß, der - unter Berücksichtigung der jährlichen, wetterbedingten Schwankungen - eine potentielle Brennstoffreserve darstellt.
1996 betrug die gesamte Strohernte 6 Mill. Tonnen, davon wurden ca. 15% für Energiezwecke genutzt. Es wird damit gerechnet, daß der Strohverbrauch
in Kraftwerken und Heizkraftwerken 1997-98 auf ca. 400.000 Tonnen steigt.

Im Rahmen der Biomasse-Vereinbarung vom 14. Juni 1993 führten die Energieversorgungsunternehmen ELSAM und ELKRAFT 1994 in Zusammenarbeit
mit dem Zentralverband der dänischen Landwirtschaftsvereine (De danske Landboforeninger), Experten aus Forschungseinrichtungen sowie der dänischen
Energiebehörde eine Untersuchung der jetzigen und künftig zu erwartenden Strohmengen durch (6). Damit sollte eine Grundlage geschaffen werden,
um abschätzen zu können, welche Strohmengen künftig für einen Ausbau der strohbasierten Strom- und Wärmeerzeugung in Dänemark zur Verfügung stehen. Die Untersuchung operiert mit drei Szenarien, dazu gehören verschiedene denkbare Entwicklungen des theoretisch verfügbaren, bergbaren Strohüberschusses
als Folge von Umstellungen der landwirtschaftlichen Produktion, größeren Viehbeständen, Änderungen der umwelt- und agrarpolitischen Gegebenheiten
u.a. Die Untersuchung kommt zu dem Schluß, daß theoretisch ausreichende Strohmengen zur Verfügung stehen, in besonders schlechten Erntejahren
kann es jedoch zu Mangelsituationen kommen.

Unterpflügen des Strohs

Böden, die jahrelang landwirtschaftlich genutzt worden sind, haben einen niedrigeren Kohlenstoffgehalt als nicht bestellte Boden Kohlenstoff entzogen und als
CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Der Kohlenstoffgehalt ist von Bedeutung für die Fruchtbarkeit der Erde. Um diese Fruchtbarkeit zu erhalten, müssen kultivierten
Böden regelmäßig Pflanzenreste oder anderes organisches Material zugeführt werden.

Optimale oder kritische Grenzen für den Kohlenstoffgehalt des Bodens sind aber nicht bekannt. Versuche in der Versuchsstation Askov seit 1920 haben u.a. ergeben, daß der Kohlenstoffgehalt des Boden sinkt, unabhängig davon, ob mit handelsüblichem Dünger (NPK) oder mit Haustierdung gedüngt wird.

Das Unterpflügen von Stroh kann wie Gülle, Schlamm und andere Pflanzenreste längerfristig dazu beitragen, den Kohlenstoffgehalt in kultivierten Böden
zu erhöhen. Es hat sich gezeigt, daß Gras als Anbaupflanze nach Getreide die gleiche Wirkung hat. Wenn das Stroh vom Feld entfernt und energetisch
genutzt wird, besteht der Vorteil darin, daß keine fossilen Brennstoffe verbraucht werden. Der Großteil des Kohlenstoffes im untergepflügten Stroh wird schnell als CO2 freigesetzt. Wenn fossile Brennstoffe durch Stroh ersetzt werden, wird insgesamt weniger CO2 in die Atmosphäre abgegeben.